Interview: Drob Dynamic – Du kriegst immer das, was du auch verdienst

Drob Dynamic, der Champion bei der Preisverleihung auf dem Splash! 2012

Bei den deutschen Meisterschaften auf dem Splash!Festival 2012 gewann ein junger Berliner namens Drob Dynamic den Titel, und zwar gar nicht so überraschend, denn der 22-jährige Kreuzberger ist schon seit längerem in der Berliner Freestyle-Szene dafür bekannt, sowohl mit Skillz, als auch mit einer energiegeladenen Live-Performance zu überzeugen und regelmäßig noch eine Schippe drauf zupacken! Bei den EOW-Weltmeisterschaften 2012 in New York konnte Drob auch das US-Publikum überzeugen und einen hervorragenden dritten Platz belegen.

Mit dem Saisonstart 2013 übernimmt Drob Dynamic nun den Job des Hosts beim deutschen End Of The Weak Chapterund löst damit seinen jahrelangen Vorgänger und mehrfachen deutschen Champion Furious ab. Wir haben uns mit Drob mal für ein kleines Gespräch zusammengesetzt um euch den jungen Mann etwas genauer vorzustellen:

EOW: Drob, wie alt bist du, wo genau kommst du her?
Drob: Ich bin 22 Jahre alt, in Berlin/Kreuzberg geboren und aufgewachsen, jugoslawischer Abstammung. Meine Familie kommt ursprünglich aus Serbien.

Drob Dynamic beim Sieg auf dem Splash!Festival 2012

EOW: Wie bist du zum HipHop gekommen?
Drob: Also der erste Kontakt war natürlich über die Medien, also Computer, Fernsehen und so. Mit 10, 11 Jahren hab ich an meinem ersten Workshop teilgenommen. Das war in der Naunynritze (Berlin/Kreuzberg) bei Deniz Bax, der hat damals sehr viel Veranstaltungen rund um HipHop gemacht. So wurde er dann auch praktisch zu meinem Mentor. Ich war sowas wie sein jüngster Schüler und kam durch ihn auch zum Freestylen. Vorher hab ich die Musik nur gehört, dann ein wenig angefangen kleine Texte zu schreiben, wobei ich auch durch meinen Onkel inspiriert wurde. Naja, und dann hab ich halt von den Workshops gehört und dachte mir so

„Yeah, laute Boxen und so. Da schauste mal vorbei“

Dann seh ich halt als 11-jähriger die Leute da cyphern und rap‘ erstmal meinen kindischen Text vor, haha. Und dann meinte Deniz so: „Ey du musst jeden Freitag vorbeikommen. Texte schreiben und üben. Du hast Talent, mach was draus. Wir haben Auftritte und so“. Ich war halt der jüngste und ab da war ich halt regelmäßig da und so kam ich auch ans Freestylen, so übers Worte vorgeben und dann müssen halt alle über ein bestimmtes Thema rappen.

DJ Bulet & Drob Dynamic in der Naunynritze

DJ Bulet & Drob Dynamic in der Naunynritze

Mit 12 hab ich dann schon angefangen zu Battlen, halt auch aus Spass gegen meinen Mentor. Nicht mehr nur bei den Workshops in der Naunynritze sondern auch im Böcklerpark (ebenfalls Berlin/Kreuzberg). Dort hab ich dann schon gegen Erwachsene gebattelt und einige kaputt gemacht. Da kam dann auch der Kontakt zu Senol von den 36 Boys zu Stande, mit denen ich mich nach wie vor super verstehe. Das war echt eine coole Erfahrung. Zwischendurch kam eine Zeit wo ich eher wenig gefreestylt habe und mich mehr aufs Texte schreiben konzentriert habe, auch wegen fehlenden Workshops. Naja, und 2009 bin ich dann aufs End Of The Weak aufmerksam geworden. Das war da eine dieser Sessions auf dem Alexanderplatz, von der ich im Internet mitbekommen hatte. Da bin ich halt dann hin, hab das alles gesehen, also wie damals noch DJ Bulet aufgelegt hat und Furious zum Beispiel gerappt hat. Ich fand das voll cool und  hab dann halt gefragt wie man da mitmachen kann und dass ich gerne an der Challenge auf der GraffitiboxSummer Jam 2009 teilnehmen möchte. Dann hieß es: „Komm mal ins Lauschi, also ins Lauschangriff, zu unserer Cypher und wir checken dich erst mal bischen ab und so.“ Dann bin ich halt hin und war total fokussiert und wollte unbedingt dann bei der Challenge mitmachen. Und dann hab ich wohl auch überzeugt und die Tickets bekommen und hab dann bei der Summer Jam mitgemacht. Und wisst ihr was? Ich wurde Vorletzer oder Letzter, haha!! Ali.Be wurde erster, Rino (Mandingo) wurde Zweiter und Kizu wurde Dritter. Und da war dann Presto war noch dabei und ich weiß gar nich mehr ob ich oder er dann Vierter wurde. Jedenfalls erstmal gut auf die Schnauze gefallen aber ich hab auf jeden Fall Gefallen dran gefunden, an den Disziplinen wie „Grab The Bag“ zum Beispiel. Es war eine krasse Erfahrung für mich. Danach hab ich dann einige Challenges verpasst und bin dann, ich glaube im April 2011, zur Challenge ins Yaam (Berlin/Mitte) gekommen. Das war halt die letzte Berlin Challenge der Saison, hab dann schnell noch Pyeah vom End Of The Weak angerufen, und gefragt ob ich noch teilnehmen kann. Das hat geklappt und dann war ich halt ganz spontan ohne große Vorbereitung dabei. Das war auch erst meine zweite Challenge. Tja, und dann hab ich halt einen echt guten Tag erwischt und die Challenge gewonnen.

„Ich kann mit euch mithalten“

EOW: Und das mit Recht! Da hast du doch auch deinen „Mozart“-Song performed?
Drob: Ja, den Track hab ich da auch zum erstem Mal Live performed. Ich hab den Track jetzt auch brandneu aufgenommen und der wird definitiv auf meiner EP, an der ich gerade arbeite, landen.

Die EOW Champs der Länder in NYC 2013

Die EOW Champs der Länder in NYC 2013

EOW: Wann soll die EP denn erscheinen?
Drob: Naja, ich hoffe, dass ich sie noch dieses Jahr herausbringen kann. Das hängt aber auch wieder von anderen Leuten ab, ich warte halt noch auf ein paar Features. Mal sehen! Die EP wird voraussichtlich „SPECKtaKOOLer“heißen. Ich hab mir diesmal für die Tracks auch echt Zeit genommen und die Sachen nich so schnell „rausgeschissen“ hab. An einem Song saß ich zum Beispiel mehrere Monate ehe ich ihn fertig hatte. Da waren dann so 6, 7, 8 Seiten mit Texten da und ich war halt nie wirklich zufrieden. Richtiger Kopffick! Ich hab da jedenfalls einen echt hohen Anspruch an mich selbst von wegen Qualität statt Quantität. Da soll halt ein roter Faden erkennbar sein, eine Message dahinterstehen und so. Ich will halt am Ende echt Stolz auf das Endprodukt sein.

EOW: Hast du textlich da irgendwelche Supporter oder kommen da alle Sachen von dir?
Drob: Also für mich ist das auch so eine Ehrensache, weißt du?! Ich setz mich halt alleine hin und mach mir einen Kopf. Also alle Texte und Songideen sind komplett von mir. Klar, bei ’nem Feature gibt es dann auch mal Zusammenarbeit, dass man so miteinander an den Zeilen rum feilt, aber das ist ja normal.

EOW: Wenn du am Schreiben bist, siehst du das dann mehr als allgemeine Competition oder geht es dir mehr darum dich selbst auszudrücken, von wegen: „Ich mach mein Ding“?
Drob: Also in erster Linie mach ich das alles für mich, aber ich will den Leuten natürlich auch zeigen auf was für einem Level ich das mache. Ich seh jetzt, außer beim Battlen, die anderen MCs auch gar nicht als Konkurrenz. Die Leute sollen mich halt auch in den Texten wiedererkennen und sehen wie flexibel ich bin in Bezug auf Themenvielfalt und so. So eine gewisse Competition gibt es schon von wegen: „Ich kann mit euch mithalten“. Da geht es mir gar nicht so darum zu zeigen, dass ich unbedingt der Bessere bin. Ich will halt zeigen, dass man mich nicht unterschätzen sollte, sowohl in Bezug auf Songs, als auch auf die Battles. Aber an sich sehe ich keine Konkurrenz in den anderen MCs, sondern ich find eher gut wenn viele Leute an einem Strang ziehen, da man als Gemeinschaft mehr erreichen kann. Das ist ja dann eher „positive Konkurrenz“, in dem man sich gegenseitig pusht. Auf negative Energie, also richtig ernste Konkurrenz, hab ich persönlich keinen Bock. Es geht da viel mehr um die künstlerische Inspiration zwischen einander!

Das hätt ich mir vor ein paar Jahren gar nicht vorstellen können!

EOW: Du warst ja jetzt auch schon zweimal mit dem End Of The Weak auf dem Splash, und zwar 2011 und 2012. Wie war das so für dich?

Proton & Drob Dynamic, die deutschen EOW Champions 2011 & 2012

Drob: Also 2011 war schon cool. Im Vor-Battle kamen ja dann der spätere Champion Proton und ich weiter. Und dann die Challenge war schon cool, weil ich gemerkt habe, auch an der Platzierung, dass ich mich wieder weiterentwickelt habe. Da sind wir auch wieder bei der positiven Konkurrenz. Ich hab halt trainiert und geübt und dann dort gesehen, dass ich im Vergleich zu manch Anderem deutlich zugelegt habe. Generell war es auch einfach krass vor so einer großen Crowd aufzutreten und zu Freestylen und auch Props dafür zu bekommen. Da hab ich halt gemerkt: „Du kriegst immer das, was du auch verdienst.“, denn ich habe wirklich krass dafür trainiert und sehr hart dafür gearbeitet. Ich bin im Vorfeld zu allen möglichen Cyphern und Jams gegangen um da mitzumachen und dann konnte ich bei der deutschen Meisterschaft zeigen was ich drauf hab.

Und dieses Jahr zu gewinnen, das war für mich ein krass emotionales Ding. Ich ging da halt dieses Jahr a la „Jetzt oder nie“ ran. In der ersten Berliner Challenge hatte ja Stockinger gewonnen und dann dachte ich mir bei der zweiten, die ja auch wieder sehr gut besetzt war: „Ich muss das jetzt schaffen“. Die Niederlage gegen Stockinger hab ich dann auch wieder als „positives Konkurrenz-Ding“ gesehen. Das hat mich zusätzlich positiv motiviert. Ich hab dann auch extra für das Finale Splash!Festival wieder einen neuen Track geschrieben. Und dann auf dem Splash auch noch die Jury zu sehen, das hat mich wiederum nochmal extra motiviert. Halt zu sehen, dass da Leute wie Laas Unltd. mit dabei sind, war krass. Das erhöht zwar den Leistungsdruck, aber pusht einen zusätzlich. Mir kam auch zu Gute, dass es nochmal eine Vorab-Quali auf dem Festival gab und dann am nächsten Tag erst die eigentliche deutsche Meisterschaft stattfand. An dem Morgen hatte ich nämlich schon ein echt gutes Gefühl. Ich konnte mich mental neu vorbereiten und die Dinge in der Challenge sind mir prinzipiell leichter gefallen. Die Competition mit Main Moe und Stockinger usw. war echt hart und eigentlich wollte ich das schon abschreiben. Dann hab ich aber gemerkt, dass das wirklich mein Tag ist und ich genau an dem Tag das realisieren kann, was ich mir schon seit 2009 vorgenommen habe und wovon ich geträumt habe! Ich hab damals schon die Champions wie Chefket und Furious bewundert. Wie ich Fu 2010 bei der EOW Weltmeisterschaft im Yaam gesehen hab dachte ich mir „Boah, sowas will ich auch mal schaffen. Voll krass“. Naja, und dass dann wirklich selber hinzubekommen und selber Champion zu werden, davon hab ich schließlich geträumt. Da ist mir auch echt ein Stein vom Herzen gefallen. Das war wie eine Mission für mich. Und jetzt auch noch ein fester Teil des End Of The Weak Teams zu sein, als neuer Host, ist echt krass. Das hätt ich mir vor ein paar Jahren gar nicht vorstellen können!

EOW: Wir bedanken uns und freuen uns dich herzlich in unserem Team willkommen zu heißen!

Das Interview führte iGadget via Skype mit Drob Dynamic.

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